Nachbericht:Internationale Freiwillige zu Besuch im Cafe Nr 5

Am Samstag, den 14. März 2026, besuchte eine kleine internationale Gruppe das Cafe Nr 5 in Berverath. Die jungen Freiwilligen kommen aus verschiedenen europäischen Ländern und nehmen derzeit an einem EU-geförderten Projekt der Jugendakademie Walberberg teil. Dort arbeiten sie mehrere Wochen lang an Themen rund um Ökologie und Biodiversität auf dem Gelände der Bildungseinrichtung.
Im Rahmen einer Exkursion ins Rheinische Revier wollte die Gruppe den Tagebau Garzweiler II und die umliegenden Dörfer kennenlernen, um ein besseres Verständnis für die Folgen des jahrzehntelangen Braunkohleabbaus zu bekommen. Der Kontakt zum Cafe Nr 5 kam über die Initiative „Die Kirche(n) im Dorf lassen“ zustande. Diese war Teil der kirchlichen Protestbewegung gegen die Zerstörung der Dörfer und organisierte unter anderem Gottesdienste und Mahnwachen im Umfeld des Tagebaus.
Bei Kaffee und Tee ging es um die Geschichte der Dörfer und die tiefgreifenden Veränderungen, die der Tagebau in der Region ausgelöst hat. Umsiedlungen, der Verlust gewachsener Strukturen und jahrelange Unsicherheit haben die Menschen geprägt. Dabei wurde auch darüber gesprochen, welche Eindrücke diese Entwicklungen bei der Besuchergruppe hinterlassen.
Auch über die aktuelle Situation wurde gesprochen. Inzwischen wird häufig von sogenannten „Zukunftsdörfern“ geredet. Viele Menschen vor Ort betrachten diese Entwicklung jedoch mit Skepsis. Denn bislang ist nur wenig von den angekündigten Impulsen tatsächlich im Alltag der Dörfer angekommen. Nach Jahrzehnten der Unsicherheit stehen die Menschen weiterhin vor der Herausforderung, neue Perspektiven für gemeinschaftliches Leben und funktionierende Infrastruktur zu entwickeln.
Gerade vor diesem Hintergrund spielt das Cafe Nr 5 eine besondere Rolle. Der Ort hat eine bewegte Geschichte und war über Jahre hinweg ein Treffpunkt für Menschen, die sich aktiv gegen die Zerstörung der Dörfer engagiert haben. Heute ist auf dem Schwalbenhof ein offener Begegnungsort entstanden, ein Platz für Gespräche, kulturelle Veranstaltungen und den Austausch über die Zukunft der Region.
Ein anderer spannender Teil des Gesprächs drehte sich um die Frage, wie junge Menschen überhaupt für Nachhaltigkeitsthemen erreicht werden können. Ein Teilnehmer aus der Gruppe brachte dabei einen wichtigen Punkt ein: Das Problem sei oft nicht mangelndes Interesse junger Menschen. Vielmehr müssten sich Projekte und Bildungsinitiativen fragen, ob sie junge Menschen über die richtigen Kanäle erreichen. Klassische Formate wie Newsletter, Webseiten oder E-Mails spielten für viele junge Leute kaum noch eine Rolle.
Für die internationalen Freiwilligen bot der Besuch daher einen Einblick in eine Region im Übergang, zwischen den sichtbaren Spuren der Vergangenheit und der offenen Frage, wie die Zukunft der Dörfer rund um Garzweiler aussehen kann.
Der Nachmittag im Cafe Nr 5 zeigte einmal mehr, wie wichtig Orte des Austauschs sind. Gerade in Regionen, die so stark vom Strukturwandel geprägt sind wie das Rheinische Revier, braucht es Räume, in denen Menschen ihre Erfahrungen teilen und gemeinsam über neue Wege nachdenken können, und die zugleich eine generationenübergreifende Funktion der Verbindung und des Austauschs erfüllen. Ein zentrales Anliegen der Demokratiewerkstatt Rheinisches Revier und des Cafe Nr 5.

